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Jürg Steger kommt den Spielern von Alligator Malans so nahe wie kaum jemand sonst. Der 50-Jährige aus Zizers sagt: «Der Aufwand ist gross, aber es ist spannend, ein Team so hautnah begleiten zu können.» Deshalb opfert er gerne viele freie Wochenenden.

Quelle: Südostschweiz, 19.01.2026, Text: Stefan Salzmann, Foto: Erwin Keller

Bei Heimspielen von Alligator Malans in der Sporthalle Lust in Maienfeld fällt dieser Mann auf: Jürg Steger, 50, aus Zizers. Immer mit einem Lächeln im Gesicht, immer positiv, immer lösungsorientiert ist er überall in der Halle anzutreffen. Schon deutlich vor Spielbeginn ist er vor Ort, holt die Stimmung bei einem Spieler der ersten Mannschaft mit einem Videointerview ab und kümmertsich darum, dass auch die Fans per Livestream zu Hause die Unihockeypartie mitverfolgen können. Während des Spiels hält er unterschiedliche Aktionen auf und neben dem Feld fest, um daraus einen Social-Media-Inhalt zu generieren. Und nach der Partie fragt er bei Direktbeteiligten nach, weshalb das Spiel gewonnen oder eben verloren wurde.

Der zweifache Familienvater, der als Schulleiter und Lehrer beim Schulverband Grüsch/Seewis arbeitet, sagt: «Der Aufwand für diese ehrenamtliche Tätigkeit bei Alligator Malans ist gross. Ich schätze ihn im ganzen Jahr auf zehn Prozent, während der laufenden Meisterschaft sind es wohl etwa zwanzig Prozent. Aber es ist einfach spannend, eine Mannschaft so hautnah begleiten zu dürfen und den einen oder anderen Einblick mit der Öffentlichkeit teilen zu können.» Denn neben der ganzen Technik und dem Ticketing für die Heimspiele ist Steger vor allem für die Kommunikation zuständig. Er schreibt Medienmitteilungen bei Transfers, kommuniziert Vertragsverhandlungen und ist für so gut wie alle Social-Media-Beiträge sowie die Website-Inhalte von Alligator Malans verantwortlich.

Kein Wochenende ohne Unihockey
Mitte der Saison 2017/18 kam Steger erstmals so richtig mit dem Unihockeyklub aus der Bündner Herrschaft in Kontakt. Zwar begeisterte er sich schon immer für Sport, er kam aber auf anderem Weg zum Unihockey: Denn weil seine Tochter und sein Sohn bei Alligator Malans Unihockey spielten, rutschte er als Vater in die Funktion des Hallenchefs bei Heimrunden hinein. Bald schon wurde er
gefragt, ob er sich eine Tätigkeit im Vereinsvorstand vorstellen könnte. Steger, der sich ehrenamtliche Arbeit zuvor schon gewohnt war, sagte sofort zu: «Denn ich weiss bestens, dass ein solcher Verein nur so funktionieren kann. Auf Menschen im Ehrenamt ist man angewiesen.»

Bei seinem ersten Heimspiel als Verantwortlicher Technik / Kommunikation wurde er sogleich ins kalte Wasser geworfen. Zwar hatte ihm sein Vorgänger im Voraus während Stunden alles erklärt, in der Halle war er dann aber mehr oder weniger auf sich allein gestellt. «Stress pur – und das beim ersten Heimspiel», erinnert sich Steger, denn auch zehn Minuten vor Anpfiff lief der Livestream noch nicht.
Funktioniert hat es dann aber trotzdem noch.

Wenn Alligator Malans auswärts spielt, beschränkt sich seine Tätigkeit meist aufs «Fan-Sein». Die Partie schaut er sich im Livestream von zu Hause aus an. Dass es somit während der Saison eigentlich kein Wochenende ohne Unihockey gibt, daran haben die weiteren Familienmitglieder nicht immer nur Freude.

Denn mittlerweile haben die beiden Kinder mit Unihockey aufgehört. «Sie schauen sich zwar immer noch oft die Heimspiele vor Ort an, aber sie sind schon nicht gleich involviert wie ich. Meine Frau sagt immer, dass ich das Gefühl hätte Alligator zu sein, dabei würde ich von diesem Sport gar nicht so viel verstehen, weil ich selbst nie Unihockey spielte.» Er schildert dies mit einem Lächeln und lässt die Äusserung unkommentiert stehen.

Auch wenn Steger zeitlich stark eingebunden ist, weil er beispielsweise auch unter der Woche für einen Social-Media-Inhalt oder auch nur um die Stimmung zu spüren, ein Teamtraining besucht, kommt die Familie nicht zu kurz. «Ich verstehe, dass es nicht immer einfach ist, aber ich bin – auch aufgrund meiner doch recht flexiblen Arbeitszeiten – alles in allem schon nicht zu wenig zu Hause.»

Dankbarkeit ist zu spüren
Steger erledigt seine Aufgaben für Alligator Malans in der Freizeit mit Freude und nimmt den grossen Aufwand gerne auf sich, obwohl er finanziell dafür nicht entschädigt wird. «Einmal im Jahr gehen wir vom Vorstand auf Kosten des Vereins essen. Wenn ich mit dieser Tätigkeit hätte Geld verdienen wollen, dann hätten meine Kinder ins Eishockey oder ins Fussball gehen müssen. Sie sind also schuld», sagt er lachend, um gleich danach anzufügen: «Ich mache es einfach gerne und brauche dafür keine finanzielle Entlohnung.»

Über Anerkennung und das eine oder andere Danke freut er sich aber natürlich schon. Und diese Dankbarkeit spürt er von den Spielern nur schon darin, dass sie bei so gut wie allen seinen Ideen dabei sind. Sie lassen ihn auch ins Heiligtum des Teams eintreten: in die Mannschaftsgarderobe. «Die Zusammenarbeit mit allen Menschen im Verein funktioniert sehr gut. Wäre das nicht der Fall, würde ich definitiv nicht so viel meiner Freizeit investieren.»

Ein paar Stunden Freizeit wird er auch am Samstag wieder opfern, wenn Alligator Malans um 17 Uhr in Maienfeld den Kantonsrivalen Chur United im Kellerduell empfängt. Steger wünscht sich eine umkämpfte Partie, eine volle Sporthalle Lust und einen 6:4-Heimsieg seiner Alligatoren. «Dass wir in dieser Saison das Bündner Derby in Chur nach vielen Jahren wieder verloren haben, dürfte unsere Spieler zusätzlich motivieren.» Gut möglich also, dass Steger nach der Partie endlich wieder einmal ein Siegerinterview führen darf.